Samstag, 1. September 2007

Selbstreferenzialität oder Blogger bloggen über´s Bloggen

In "Zettels Raum" gibt es mal wieder einen lesens- und bedenkenswerten Artikel, der sich u.a. mit "Bloggers Bemühen" befasst.

"Man muß oft Einwände ausklammern, wenn man eine Argumentation überzeugend vortragen will. Man muß Farbe bekennen, Position beziehen. Nichts ist mühsamer zu lesen als der Text eines Autors, der sich sozusagen selbst ständig ins Wort fällt. Der uns statt eines roten Fadens Patchwork bietet. Der uns nicht das geordnete Ergebnis seines Überlegens mitteilt, sondern dessen krausen Verlauf." schreibt Zettel. Wie wahr, wie wahr, nicht nur im Hinblick auf Texte in Weblogs!

Nun, das Problem, vor lauter Abwägen einander widersprechender Argumente zu keiner klaren Aussage mehr finden zu können, war noch nie meines... Da neige ich wohl eher zum anderen Extrem, jedenfalls sagte einer meiner Professoren an der Uni Bonn vor rund einem Vierteljahrhundert: "Sie schreiben einen sehr thetischen Stil!" Aber Spaß beiseite: Ist es nicht gerade ein Vorteil von Blog-Texten, subjektiv und meinungsfreudig sein zu dürfen, ohne Rücksicht auf Chronistenpflichten, Proporz und Auflagenzahlen?

Warum Bloggen "selbstreferenziell" sein soll, hat sich mir eigentlich noch nicht so recht erschlossen (so ganz spontan fällt mir dazu eine Stelle aus einem alten Song von Reinhard Mey ein: Was für ein Pech die Fliege hat, die immer um die Lampe kreist", aus "In tyrannis"), aber wenn Blogger auf dem Niveau von Zettels Beitrag über das Bloggen bloggen, ist das ebenso unterhaltsam wie anregend und entbehrt nicht einer gewissen philosophischen Tiefgründigkeit.

Als Kontrastprogramm könnte man etliche andere Blogbeiträge zum Thema Bloggen anführen, bei denen man sich fragt, warum sie eigentlich geschrieben wurden... Dieser hier ist da noch ein nettes Beispiel, über das man wenigstens schmunzeln kann. Aus einer völlig anderen, beruflichen Perspektive schreibt Thomas Pleil einen ebenfalls "selbstrefenrenziellen", aber interessanten und lesenswerten Post.

Gegen ein wenig Selbstreflexion spricht prinzipiell natürlich nichts, aber gibt es nicht für jeden Blogger eine Fülle anderer Themen, über die man schreiben kann?
Immerhin ist man als AutorIn eines Weblogs in der glücklichen Lage, seine Themen frei wählen zu können und nicht wie manch angehender Lokalreporter zur Jahresversammlung des örtlichen Kaninchenzüchtervereins geschickt zu werden und darüber einen Artikel verfassen zu müssen...




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